Projekte

Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement

Leiterin, Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg; gefördert durch die  Gerda-Henkel Stiftung, 05/2016-04/2018

Das neue Forschungsprojekt ist finanziert durch die Gerda Henkel Stiftung und ist Teil des Sonderprogramms ‘Sicherheit, Gesellschaft und Staat‘. Im Rahmen des Forschungsprojekts ‘Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement. Ausmaß und Grenzen von Agency in gemeindebasierten NGOs von Flüchtlingen’ wird untersucht, wie Flüchtlinge zu ihrem eigenen Schutz beitragen.

In den letzten drei Jahrzehnten wurden Flüchtlinge sowohl im wissenschaftlichen als auch im öffentlichen Diskurs hauptsächlich als passive Opfer gerahmt, die auf Schutz und Hilfe externer Akteure angewiesen sind. Aufgrund ihrer Vulnerabilität auf der Flucht und in Flüchtlingslagern werden sie vielmehr als HilfsempfängerInnen – anstelle als AkteurInnen – ihrer eigenen Zukunft sowie als passive und homogene Gruppe dargestellt, wobei ihre unterschiedlichen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Interessen sowie Hintergründe unbeachtet bleiben. Obwohl das Flüchtlingsregime für den Schutz und somit die Sicherheit von Flüchtlingen verantwortlich ist, sind Flüchtlinge nicht nur schlechten Lebensbedingungen, sondern auch unterschiedlichen Gewaltformen in Lagern und anderen Umgebungen ausgesetzt. Dabei wurde weitestgehend vernachlässigt, wie sich Flüchtlinge über den institutionellen Flüchtlingsschutz hinaus für ihre eigene Sicherheit einsetzen. An diesem Punkt greift das Forschungsprojekt an.

Das Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie sich Flüchtlinge für ihre Sicherheit engagieren. Im Besonderen geht es darum, wie Flüchtlinge mit Hilfe von gemeindebasierten Organisationen, die durch Flüchtlinge initiiert sind und geleitete werden, zu ihrem Schutz beitragen. Somit sind agency und Resilienzprozesse von Flüchtlingen zentral im Projekt. Dafür wird Feldforschung in Uganda in einem Flüchtlingslager und einem urbanen Kontext durchgeführt.


Genderbeziehungen im begrenzten Raum

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg; gefördert durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung, 09.2013-04.2016

Unter der Leitung von Prof. Susanne Buckley-Zistel konzentriert sich das Projekt Genderbeziehungen im begrenzten Raum. Bedingungen, Ausmaß und Formen von sexueller  Gewalt an Frauen in kriegsbedingten Flüchtlingslagern auf den Nexus zwischen Dislokation, Genderbeziehungen und sexualisierter Gewalt, um das Gewaltkontinuum in Postkonfliktkontexten oder am Rande von Kriegsschauplätzen zu analysieren. Dies beruht auf dem in der Wissenschaft vermehrt hervorgehobenen Argument, dass viele Frauen Gewalt im Kontext von gewaltsamen Konflikten anders erfahren, da diese häufig sowohl zeitlich als auch räumlich außerhalb von Kriegsschauplätzen stattfindet. Dichotomien wie vor vs. nach dem Waffenstillstand, öffentlicher Kriegsschauplatz vs. das eigene, private Zuhause, sowie feindliche Kombattanten vs. vertrauenswürdige Familienmitglieder lassen sich nur schwer aufrecht erhalten. Ob und wie sich dies im kriegsbedingten Flüchtlingslager manifestiert, ist daher ein bedeutender Beitrag zur Ausdifferenzierung von Geschlechterperspektiven in der Friedens- und Konfliktforschung.

Unser Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Flüchtlingslager begrenzte Räume sind, in denen Geschlechterbeziehungen neu verhandelt und definiert werden. Dies geschieht sowohl homosozial innerhalb der Kategorien Männer bzw. Frauen, als auch heterosozial zwischen den Kategorien Männern und Frauen. Basierend auf dem Ansatz der hegemonialen Männlichkeit von Raewyn Connell vermuten wir, dass das Leben in Flüchtlingslagern mit einer subjektiv empfundenen Abwertung von Maskulinität einhergeht und diese durch das Ausüben von Gewalt an Frauen im häuslichen, privaten Raum kompensiert wird. Ob dies der Fall ist, soll durch das Forschungsprojekt empirisch überprüft werden. Zur breiten Erfassung von Daten verwendet das Projekt einen Methodenmix aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Ansätzen, der den besten Einblick in Mikro- und Mesoebenen verspricht. Die Feldforschung basiert daher auf einer Komposition aus Literaturanalyse, teilnehmender Beobachtung, problemorientierten und ethnographischen Interviews, ero-epischen Dialogen sowie Gruppendiskussionen. Die Triangulation verschiedener Methoden dient neben der Validierung der Ergebnisse auch dem Erhalten zusätzlicher Erkenntnisse.

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